Starnberger Seeleben

Seegeflüster März 2020:

Schildbürgerstreich - anonymes Bekennerschreiben

Exakt 15 x 21 cm groß ist das anonyme Bekennerschreiben, das mit sperrigem Inhalt in den Briefkasten geschmuggelt wurde. In kommunikationsgeschulten Zeiten wie diesen ein echt schräges Meisterstück, das viele Rätsel aufgibt. Das fängt mit der Frage nach dem Absender an. Es muss ja einen Grund geben, warum dieser sich nicht outet. Und warum er (sie?) peinlich darauf achtet, garantiert jede Möglichkeit einer Kontaktaufnahme per Telefon oder E-Mail zu verhindern.

Alles was wir wissen: er (sie?) hat sehr wenig Selbstwertgefühl; oder wie anders ist es zu interpretieren, dass er (sie?) die eigenen „arbeiten“ so gering erachtet, dass er diese bewusst klein schreibt? Oder will er (sie?) damit sichtbar machen, dass die Arbeiten lediglich „kleinwertig“ sind, weil sie schlecht ausgeführt werden? Ach, da bleibt so unendlich viel Raum für Spekulationen …

Aber dann: Erleichterung! Denn beim aufmerksamen zweiten Lesen fällt uns auf, dass wir ja gar nicht gemeint sind. Denn wir leben ja in der Etztalstraße und nicht in der Etztalerstraße und so hat sich der Absender vielleicht einfach nur geirrt und war in der falschen Straße unterwegs. Dann ist das Zettelwerk wohl obsolet - wenn es weder einen Verfasser gibt noch der Adressat stimmt - oder??

Bleibt nur noch die Frage, wohin wir den Dank zurücksenden können, denn der gebührt uns ja gleich doppelt nicht: a) weil wir keine „Etztaler“ sind und b) weil wir für eine so (bleiben wir charmant!) „schräge“ Art der Kommunikation keinerlei Verständnis haben.

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